Gib dir einen Ruck!

Die innere Stimme und der Schweinehund

Zur inneren Stimme sagen manche auch innerer Schweinehund. Der innere Schweinehund muss meistens überwunden werden – sei es, um Diäten einzuhalten, sich das Rauchen abzugewöhnen oder bei Regen mit dem Fahrrad zu fahren.

Etwa so

Ich sage: „Oh, es regnet. Ich wollte heute eigentlich mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren.“

Schweinehund: „Bei dem Sauwetter fährst du besser mit der Bahn. Du hast kein ordentliches Regencape und deine Schuhe kannst du vergessen, wenn sie nass werden.“

Ich denke: „Hm, vielleicht sollte ich doch nicht mit dem Rad fahren. Aber das ist die einzige Bewegung, die ich den ganzen Tag haben werde.“

Schweinehund: „Fahr doch morgen wieder mit dem Rad, wenn der Regen aufgehört hat.“

… und so weiter.

Mein innerer Schweinehund duzt mich. Er ist ein deutscher Sauhund und als psychologisches Phänomen gibt es ihn nur in der deutschen Sprache. No inner hogdog, dear. Früher hat er Wildschweine gehetzt, ermüdet und festgehalten. Heute tut er das Gleiche mit meinem Gewissen. Er hetzt, ermüdet und hält fest.

Weil er mich so gut kennt, duzt er mich. Meistens spricht er im Imperativ „Mach dies!“ „Mach jenes!“ „Sei jetzt still!“ „Sag nichts mehr!“ „Halte dich zurück!“ „Gib dir einen Ruck!“ Er spricht mit mir wie ungeduldige Eltern mit ihrem Kind „Beeil dich!“ „Trödel nicht so!“ beziehungsweise wie ein ganz normales Herrchen mit seinem Hund „Hol Stöckchen!“ „Mach Männchen!“ „Bei Fuß!“ Wie die innere Stimme mit mir redet, hängt wahrscheinlich davon ab, wie ich ticke.

Du und Ich: Es sind zwei Stimmen

Höre ich genauer hin, spreche ich die innere Stimme manchmal mit Ich und manchmal mit Du. Schaue ich in den Spiegel, sage ich „Ich könnte mal wieder zum Frisör“ oder „Ich werde mich heute mal zusammenreißen.“

In Situationen, in denen ich mich unter Kontrolle haben möchte, d.h. im beruflichen Kontext immer und jederzeit, auch in Konflikten und bei Stress, schicke ich meine innere Stimme in den Helikopter und lasse sie über mich kreisen. „Wie ist meine Körperhaltung?“ „Ist mein Gesicht freundlich?“ „Ist meine Atmung ruhig?“ Die kurzen Kontrollfragen machen mich sicher, ich kann Distanz wahren. Ich tauche nicht mit Haut, Haaren oder Herzblut ins Geschehen ein und kann mich weder steuern noch hinterher an etwas erinnern. Die innere Stimme ist mein Steuermann, mein Pilot und wenn wir gut eingespielt sind, dann geht sie auf Autopilot.

Das Ich ist freundlich und wohlwollend. Das Du ist ruppig und destruktiv. Ich kann mit beiden gut leben und habe nicht das Bedürfnis, sie in Einklang zu bringen. Sie scheinen mir je nach Situation nützlich zu sein. Ich kann sie einsetzen wie heimliche Verbündete und gefürchtete Widersacher.

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