Im Offline

Die Maschine verändert mich

Die Grenzen zwischen On- und Offline verschwimmen. In der vierten Woche des ichMOOC Onlinekurses über das digitale Ich geht es um die Maschinen – und wie sie unsere Identität im Netz beeinflussen.

Es ist kaum möglich, neutral oder ohne Wertung über die Verwendung von Informationen und Daten zu sprechen/schreiben, weil unser Vokabular die Verschwörung, die Drohung und den Missbrauch im Thema schon in sich trägt. Zum Beispiel unter Verwendung des Possessivpronomens „meine“ Daten.

IMG_3080Die Frage „Was passiert mit meinen Daten?“ impliziert bereits eine Befürchtung, dass damit irgendetwas angestellt wird, was ich nicht kontrollieren kann. „Meinen Hund“ oder „mein Auto“ habe ich (meistens) ganz gut im Griff, aber „meine Daten“ nicht. Einmal über die Tatstatur in digitale Befehle verwandelt, rutschen sie durchs Netz wie auf Schmierseife, unkontrollierbar, öffentlich, zugänglich für mathematische Algorithmen und allerlei Maschinenlogik.

Eine schwierige Frage

Daher steht am Ende des Onlinekurses die bedeutsame Frage im Forum: Wie schätze ich die gesellschaftliche Wirkung dessen ein, was die Maschinen mit meinen Daten machen? Doch bevor ich in die Beantwortung gehe, die nur eine empirische Sammlung von Beiträgen ist plus mein Senf dazu, noch ein kleiner Ausflug ins Googleland.

Google und andere Suchmaschinen (welche anderen?)

Der Deutsche Markanteil von Google an allen Suchmaschinen beträgt 2015 95 Prozent * (Quelle aus ichMOOC). Dies ist keine umfassende Analyse zu den Arbeitsstrategien von Google. Ich gebe lediglich einige Informationen weiter, die ich selbst ganz hilfreich finde.

  1. Google benutzt für die Suche ca. 200 geheime Kategorien, die auch hin und wieder geändert werden, damit sich niemand darauf einstellen kann. Hier erklärt Google, wie die Google-Suche funktioniert.
  2. Google speichert keine Daten, sondern verwendet sie in verschiedenen Kontexten.
  3. Jeder einzelne Begriff ist indiziert, d.h. es gibt eine Unmenge an Daten- und Begriffskonstellationen. Die Maschine kombiniert nur, die Ergebnisse sind keine intelligente Verknüpfung.
  4. Wenn ich mich selbst oder andere Personen googlen möchte, setze ich den Namen am besten in Anführungszeichen, also „Peggi Liebisch“, damit die Maschine den Namen genau in dieser Konstellation und Reihenfolge verfolgt und auswirft.
  5. Schon mal auf dem eigenen Profil der Suchmaschine gewesen? Dort kann ich nachsehen, was es im Netz alles über mich gibt und die Ergebnisse neu sortieren, wenn ich das möchte: google.com/dashboard
  6. Die digitale Pflege des eigenen Profils ist hilfreich, wenn ich im Netz „ordentlich“, also aktuell und in sinnvollem Kontext gefunden werden will. Pflege heißt: meine Angaben in den verschiedenen sozialen Netzwerken regelmäßig aktualisieren, miteinander verbinden und die Metadaten (z.B. auf Fotos) immer mit meinem Namen versehen.
  7. Wer regelmäßig über Aktivitäten im Internet bezüglich seines Namens (oder Themen) informiert werden möchte, kann einen Google alert anlegen.

Freund oder Feind?

iMOOC_SignetEs dürfte auf Dauer anstrengend sein, sich ständig Gedanken über den vermeintlichen Verbleib bzw. die Weiterverwendung der „eigenen“ Daten zu machen. Besser, ich mach mir routiniert Gedanken darüber, was genau ich ins Netz einstelle. Der Merksatz „Fühle ich mich mit dieser Information oder mit diesem Foto noch in zehn Jahren wohl?“ ist schon einmal eine persönliche Hürde. Wenn sich Zweifel regen – lieber erst einmal liegen lassen und noch einmal darüber nachdenken. Natürlich kann ich nicht in die Zukunft sehen – und damit auch nicht beurteilen, wie heute bereit gestellte Daten mein digitales Profil prägen.

Die meisten Diskussionsbeiträge im Onlinekurs-Forum gehen in die Richtung: Pass auf, was du schreibst. Reduziere die persönlichen Anteile der Information, dann ist die Wahrscheinlichkeit kleiner, dass jemand/eine Maschine damit Schaden anrichtet. Wie immer bei Wahrscheinlichkeiten ist das eine persönlich empfundene Minimierung. Damit gut leben zu können, gehört ebenso zur Medienkompetenz wie der zeitweise Aufenthalt im Offline.

Oft im Offline

Foto am 14-01-2014 um 10.25 #2Wie oft ich im Offline bin? Diese Frage ist schwer zu beantworten, im Forum gibt es ein paar forsche Antworten – aber sind sie wirklich ehrlich? Ich bin nachts, wenn ich schlafe, im Offline. Ab und zu 10 Minuten, wenn die App es sagt. Manchmal, wenn ich das Mobiltelefon zu Hause vergesse, das kommt aber so gut wie nie vor.

Jetzt steht das hier und die spannende Frage ist, was machen die Maschinen daraus? Was, wenn ich diese Angaben zu Testzwecken frei erfunden habe? Eine dicke Lippe riskiert habe? Werden sie trotzdem ein Teil meines digitalen Ichs?

Fast zu Ende

Der ichMOOC Onlinekurs zur digitalen Identität ist morgen zu Ende. Mein Eindruck ist: Bisher haben sich mehr Fragen aufgetan als ich Antworten geben konnte. Das ist als Suchergebnis nicht schlecht. Weitersurfen. Bis meine App sagt, mach` jetzt 10 Minuten Pause.

Weiterführende Links*:

  • Cloudfender hat sechs Links zusammengestellt, anhand derer man erkennen kann, was Google über einen sammelt bzw. bereits gesammelt hat. Darüber lassen sich auch Einstellungen vornehmen (Seite in englischer Sprache).
  • Der New Yorker Künstler und Aktivist Curtis Wallen will anonym im Netz unterwegs sein. Deshalb hat er ein zweites digitales Ich „Aaron Brown” geschaffen. Ein Bericht über die erstaunliche Karriere einer fiktiven Person, deren Foto aus Bildern von vier realen Menschen entstanden ist.
  • Der Journalist und Social-Media-Autor Johnny Haeusler erzählt, wie sich sein Online-Kommunikationsverhalten nach den Snowden-Enthüllungen verändert hat.
  • Die Band Big Data macht (als Werbung in eigener Sache) Kunst aus Daten. Über eine Erweiterung des Google-Chrome-Browsers kann man sich sein Surf-Verhalten als illustriertes buntes Durcheinander anzeigen lassen – mit möglicherweise überraschenden Inhalten.

*(alle aus den Empfehlungen des ichMOOC)

1 Kommentar zu „Im Offline

  1. Stilstrategie.de 26. Juni 2015 — 14:25

    Super interessanter Blog. Muss ich mal so einiges bei mir checken…. Danke, Peggi!

    Gefällt mir

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