Die Farbe der Sterne

SternO Be A Fine Girl Kiss Me Right Now, schwärmt der Astronomie-Verführer. Hingerissen vom Firmament hat er sich diesen Spruch ausgedacht. Fortan vergisst niemand mehr die Aufeinanderfolge der Spektralklassen nach absteigender Temperatur, wenn er die Sterne betrachtet (0, B, A, F, G, K, M (R und N alt)). Na ja, zumindest nicht die professionellen Sterngucker, die romantischen wahrscheinlich schon.

Sie kommen uns farbig vor, der eine mehr rötlich, der andere mit blauem Schimmer. Ist das wirklich so oder gaukelt uns die Erdatmosphäre ein Farbspektakel vor, das sich im Weltall wieder auflöst? Welche Farben haben Sterne? Sie sind tatsächlich unterschiedlich und ihre Leuchtkraft hängt sehr stark mit ihrer jeweiligen Masse, ihrer Oberflächen- und ihrer Kerntemperatur zusammen.

Unschärfe für das bessere Bild

Dieses Bild eines Sternhaufens ist absichtlich unscharf.
absichtlich unscharfer Sternhaufen

Mit einem banalen Trick können wir auch von der Erde die Farben der Sterne ganz gut erkennen – nicht mit bloßem Auge, aber einem Teleobjektiv, bei dem wir einfach die Entfernung absichtlich falsch einstellen, so dass die Sterne dort oben zu verschwommenen Flecken werden. Ihr Licht wird damit auf eine größere Fläche verteilt und die Farben sind leichter zu erkennen.

Unser optisches Gedächtnis speichert diese visuellen Impulse ab und wenn wir uns an einzelne Sterne oder Sternbilder erinnern, ruft es ihre Farbigkeit genauso ab wie ihre Namen oder Positionen im All. Bei manchen assoziativ veranlagten Menschen können auch erst nach dem optischen Reiz farbige Bilder auf dem „inneren Auge“ entstehen. Sie werden durch die Eigenaktivität der neuronalen Strukturen hervorgerufen – winzig kleine Impulse, die zu farbigen Mustern, Gesichtern oder ganzen Handlungsszenen werden können. Manche kennen das aus ihrer Kindheit: Während wir bei hohem Fieber im abgedunkelten Raum liegen, spielen die Figuren aus unseren Büchern ihre Geschichten, der Wolf bleckt seine Zähne, der Zauberer grinst böse und fegt Funken übers Bett. Die Funken funkeln wie kleine Sterne in allen Farben.

Die Farbe der Sterne
Lebenszyklus eines Sterns

Übrigens gibt es für die Einteilung der Sterne nach Farben in der Wissenschaft das Hertzsprung-Russel-Diagramm. Da auch ihr Schein vergänglich ist und sie bestimmte Phasen in ihrer Existenz durchlaufen, kann man an der Farbe erkennen, in welchem Zyklus sie sich gerade befinden – am Ende werden sie zu roten Zwergen oder Riesen und wandern an den rechten Rand des Diagramms…

Dass für uns die meisten Sterne auf den ersten Blick weiß aussehen, hängt wiederum damit zusammen, dass sich das unterschiedliche Licht auf seiner Reise zur Erde mischt und die Gesamtheit aller Farben für unser Auge weiß ist.

Literatur:
Florian Freistetter, Der Astronomieverführer, Wie das Weltall unseren Alltag bestimmt (2014)
Norbert Welsch, Claus Chr. Liebmann, Farben; Natur, Technik, Kunst, 3. Auflage (2012)

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