Die Sprache der Spieler

Es ist wieder Fußball-WM. Sprachlich sind die Jungs, Trainer und sogar der Schiedsrichter unserer Mannschaft eine wahre Freude. Im Vorfeld des ersten Spiels kann ich drei Themenfelder ausmachen, die sie gerne aus ihrem aktiven Wortschatz bedienen: Körper, Glück und Militär.
fulecoDoch bevor ich meine gesammelten Zitate präsentiere, möchte ich gerne auf das brasilianische Maskottchen aufmerksam machen, dem Ökofußballkugelgürteltier Fuleco.

Fuleco ist das Maskottchen der Fußball WM 2014: Ein putziges Kugel-Gürteltier, das in Brasilien eigentlich tatu bola heißt. Dem Fußballverband genügte die begriffliche Nähe von Bola (Kugel) zu Ball aber nicht und hat lieber futebol (Fußball) und ecologica (Ökologie) zu fuleco zusammengefügt, um damit auch seiner Verantwortung für den Erhalt vom Aussterben bedrohter Tierarten Ausdruck zu geben. Die Fans fänden tatu bola besser. Auch der deutsche Komiker Atze Schröder meint zu „Fuleco – so was kriegst du sonst nur als Diagnose vom Urologen.“ Drängt sich die Frage auf, ob Goleo IV, der Löwe ohne Hose und Maskottchen der WM 2006 in Deutschland marketingtechnisch intelligenter war. Vielleicht mit dem Add-on Pille, dem sprechenden Ball? Geschmacksache.

Drei Sprachfelder: Körper, Glück und Militär

Zurück zum Hauptthema: Die Sprache der Spieler. Alle Zitate habe ich im Radio gehört, im Kicker WM-Sonderheft gelesen und der BILD-WM Sonderausgabe vom 6. Juni 2014 entnommen. Ich freue mich sehr auf die Spieler- und Trainerinterviews in Brasilien und bin gespannt, ob und wie sich ihre Terminologie im Laufe der WM verändern wird – je nachdem, ob unsere Jungs erfolgreich sind oder nicht so sehr…. Im Vorfeld des Turniers hören sie sich an wie folgt:

Körper, Klone, Klimata

  • Manuel Neuer ist aufgeregt: „Es rattert ein bisschen im Kopf“ und will sich bemühen nicht zu foulen, „sonst fliege ich vom Platz.“ Wobei Köpke ist davon überzeugt, „Manuel Neuer verkörpert genau die Torwart-Philosophie, die wir beim DFB umgesetzt sehen wollen.“
  • Jogi Löw: „Özil habe ich gesagt, dass er beispielsweise noch an seiner Körpersprache arbeiten muss“ und „Miro (Klose) kennt seinen Körper genau“ und Philipp Lahm „würde ich am liebsten klonen.“
  • Chef-Scout Siegenthaler behauptet über den Gegner: „Die haben Schränke in ihrer Abwehr.“
  • Schiri Dr. Felix Brych: „Ich erwarte durch die verschiedenen Klimata und Zeitzonen extreme körperliche Herausforderungen.“
  • Pélé stellt fest „Mein Bruder Franz Beckenbauer hat sich den Bart abrasiert“, aber viel wichtiger ist ihm: „Die Seleção ist unser Land, unser Blut.“

 Glück, Sehnsucht, Ehre

  • Philipp Lahm hat eine Endlosschleife in den Radiosendern gemietet, in der er sagt: „Wir werden alles in die Waagschale schmeißen.“ Die Moderator/innen machen Witze darüber, was das alles sein könnte und die Waagschale hängt mit unnützem Zeug schon ziemlich schief.
  • Jogi Löw: „Die Sehnsucht nach dem Titel ist groß“.
  • Cesare Prandelli, der italienische Trainer sieht das nüchterner: „Wer das Endspiel von uns fordert, der sollte seinen Realitätssinn bei einem Arzt überprüfen lassen.“
  • Thomas Müller ist der Poet unter den Spielern: „Der Titel wäre ein Lohn für die investierte Arbeit und etwas Historisches, der WM Titel wäre die Krone.“ Die WM in Brasilien „ist in gewisser Weise ein Tapetenwechsel, ich spüre eine gewisse Vorfreude.“

Angriff, Sturm, Verteidigung

  • Jogi Löw liebt es, seine Mannschaft als Truppe zu bezeichnen: „Verletzungen und Sperrungen wichtiger Leute während des Turniers treffen stets den Nerv einer Truppe.“ „Khedira, der der Truppe allein mit seiner Präsenz gut tut.“ „Portugal ist eine Weltklasse-Mannschaft, eine zähe Truppe.“ Außerdem ist er sich seines Rangs durchaus bewusst: „Gewisse Strategien … habe ich natürlich im Kopf, vielleicht ein, zwei.“
  • Großkreuz wird von Löw als „defensive Allroundwaffe“ eingesetzt.
  • Boateng: „Bei einer WM gibt es nur Todesgruppen.“
  • Trainer Klinsmann erklärt seine Taktik, obwohl er seit 16 Jahren in den USA lebt, mit: „Die Schwaben sagen: der Friedhof liegt voll von Leuten, die sich für unersetzlich gehalten haben.“

Persönlich mag ich eher die Sprachbilder aus der Glück-Sehnsucht-Ehre-Kategorie als die militärischen Analogien, weil sie einen Spielraum für Interpretation lassen und Sympathie wecken. Wir wissen, dass die Spieler in Kommunikation und Eigen-PR geschult werden. Auf ein gemeinsames Wording im Sinne von Corporate Identity scheinen sie sich nicht verständigt zu haben, vielleicht geht das dem DFB zu weit. Schade, Thomas Müller wäre für mich klar der Favorit für einen frischen sprachlichen Wind, auch wenn er einer der Seniors auf dem Platz ist. Bei Jogi Löw höre ich wie die anderen Millionen Zuschauer/innen sowieso nur auf den schwäbischen Akzent und vergesse sofort wieder, was er gerade gesagt hat. Hoffentlich geht das den Spielern nicht genauso, denn jetzt fängt sie an, die WM.

 

2 Kommentare zu „Die Sprache der Spieler

  1. Sehr treffend! Ich amüsiere mich auch immer sehr wenn Jogi oder Poldi im Interview sind. Aber Hauptsache sie spielen gut.

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