Kein Fest zur Feier: Eine Stadt wird 1.000

Villa Vinetre_2_2Zum 1000-jährigen Geburtstag der Stadt Königswinter hat die Tourismus Siebengebirge GmbH eigens dieses schöne Logo entwickelt, das sie allen zur Verfügung stellt, die sich mit der 1000-jährigen Geschichte beschäftigen.

„Laden Sie das Logo auf Ihren Rechner, benutzen Sie es für Ihre Veranstaltung, Ihren Flyer oder gestalten damit ein neues eigenes Produkt.“

Das will ich hiermit tun. Ich beschäftige mich mit etwas, was nicht stattfindet: eine 1000-Jahr-Feier.

Das erste Mal

Die Ersterwähnung der Altstadt von Königswinter steht auf einer Urkunde vom 25. Februar 1015, damals mit dem Namen villa winetre. Es handelt sich um eine Schenkungsurkunde über ein Gut Kaiser Heinrichs II. an das Bonner Frauenstift Dietkirchen. Der Kaiser hat das Gut selbst geschenkt bekommen (von Graf Wilhelm und seinem Bruder Boppo) und verschenkt es nun weiter: „…. das Gut, das uns Graf Wilhelm und sein Bruder Boppo in dem „Winetre“ genannten Dorf überlassen haben, das im Gau „Auelgaue“ in der Grafschaft des Grafen Ezzo gelegen ist, mit allem ….“
Quelle: (DH II 333); (Übersetzung: Prof. Dr. Ennen, Bonn)

Weitere Dokumente mit Wintere als Erwähnung gibt es aus den Jahren 1064 und 1269. Im Jahr 1316 wird der Ort Wynteren inferior (Niederwinter) genannt und 1342 findet Kuoningwinteren seinen endgültigen Namen.

1000 Jahre Königswinter – Vortrag und Weinprobe im Siebengebirgsmuseum

SiebengebirgsmuseumDa die Stadt kein Stadtfest macht, habe ich einmal recherchiert, wer sich davon nicht abschrecken lässt und mit einer eigenen Veranstaltung für gute Laune sorgt. Mein Favourite ist (zurzeit, das Jahr ist ja noch jung) eindeutig der Abend 1000 Jahre danach, also genau am 25. Februar 2015 und zu einem Geburtstag gehört eine Feier – hier Weinprobe genannt.

Das Siebengebirgsmuseum lädt zusammen mit der Volkshochschule Siebengebirge, dem Bürger- und Verkehrsverein 1861 e.V. „Alt-Königswinter“ und
 dem Heimatverein Siebengebirge e.V., Königswinter zum Vortrag „Winetre: seit 1000 Jahren amtlich“ von Dr. Josef van Elten vom Historischen Archiv des Erzbistums Köln ein. Dr. van Elten wird die oben schon beschriebene Schenkungsurkunde gründlich unter die historische Lupe nehmen und einen Kontext zum Weinbau herstellen. Denn – der Name Winetre entstammt dem lateinischen vinitorium und stellt damit einen nachvollziehbaren Bezug zum bereits florierenden Weinbau in dieser Zeit her. Im Anschluss an den Vortrag sind alle Anwesenden zu einer Probe von Weinen des Königswinterer Weingutes Pieper eingeladen. Das nenne ich eine runde Veranstaltung.

Das Argument gegen ein Fest vom …. Bürgermeister

Die bereits erwähnten Königswinterer Vereine, der Bürger- und Verkehrsverein 1861 e.V. „Alt-Königswinter“, der Heimatverein Siebengebirge e.V. und ein SPD-Ratsmitglied werden in verschiedenen Zeitungsartikeln als engagierte Verfechter für eine Jubiläumsveranstaltung der Stadt Königswinter genannt. Mir als (zugezogene) Bürgerin erscheint das nachvollziehbar. Fähnchen, Fanfaren, Feste und Feiern – eine mittelalterlich geschmückte Altstadt, ein vollgepfropfter Veranstaltungskalender, Stolz und Freude – so stelle ich mir ein 1000-jähriges Jubiläum vor.

Der Bürgermeister sieht das ganz anders: Er betont, dass er als Gründungsjahr des heutigen Gemeinwesens „Stadt Königswinter“ das Jahr 1969 sehe und sich zu gegebener Zeit mit den Planungen der 50-Jahr-Feier im Jahr 2019 befassen werde. Er als Bürgermeister würde einem Fest nicht im Wege stehen, wenn das von der Politik gewollt werde, weist zugleich aber auf den klammen Haushalt hin: „Wenn man in der Altstadt was macht, dann muss man auch die anderen Ortsteile unterstützen.“

Sang- und klanglos wird also das 1000-jährige Jubiläum verstreichen. Keine Wimpel und kein Fest – das ist so traurig. Schon schleichen sich die nächsten 1000 Jahre an. Ob der Drachenfels dann noch steht? Vielleicht ist er trotz der teuren Verspannungen nach innen erodiert. Wird der Rhein noch der Gleiche sein? Vielleicht ändert er seinen Lauf. Steigt er nur um einige Meter, versänke die Altstadt von Königswinter darin. Aber das ist ja auch in den letzten 1000 Jahren nicht passiert. Unsere Nachfahren können im Jahr 3015 bestimmt das 2000-jährige Jubiläum feiern.

Quellen:

Ein Kommentar zu „Kein Fest zur Feier: Eine Stadt wird 1.000

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