Ironie im Internet

Ich liebe Ironie. Je feiner desto besser. Jetzt sagen meine Social Media Kolleg/innen Ironie im Internet funktioniert nicht. Ich widerspreche.

Am besten lassen sich die beiden Meinungen in der Pro- und Contra-Gegenüberstellung verdeutlichen, vielen noch bekannt aus analogen Anachronismen, auch Zeitschriften genannt. Da ich mich ja bereits zur Pro-Verfechterin bekannt habe, gebe ich allen Zweifler/innen schon einmal Recht, die nun erwidern, ich könnte die Contra-Variante nicht angemessen und mit der notwendigen Sorgfalt darstellen. Es scheint sowieso eine Glaubensfrage zu sein. Also glaubt am Ende was ihr wollt. Oder entscheidet euch um.

Pro Ironie im Internet

Ironie ist eine rhetorische Figur, die auch in der Schriftform funktioniert. Ich schreibe etwas anderes, als ich eigentlich meine. Die einfachste Form besteht darin, genau das Gegenteil von dem zu sagen, was ich eigentlich meine.

Ein Beispiel aus meinem Blog: Hektisch trete ich vor die Haustür, kalter Regen schlägt mir ins Gesicht. Na, dieser Tag fängt ja gut an, denke ich.

Das ist schon alles. Ich denke ironisch und teile es den Leser/innen mit. Sie wissen was ich meine, nämlich dass mein Tag gar nicht gut anfängt. Sie verstehen die Ironie dieses Satzes, weil sie das alle auch schon einmal so gedacht haben. Wer die Ironie hier nicht kapiert, wird immer Schwierigkeiten haben, einen subtilen sprachlichen Schlag mit dem Vorschlaghammer in die Magengrube einzuordnen – egal ob er mündlich oder schriftlich erfolgt.

Heinrich Heine
Heinrich Heine (1797-1856) romantischer Dichter und Pro Ironie Blogger

Es gibt natürlich auch feinere Formen von Ironie und schon Heinrich Heine (1797-1856) fand, dass Ironie nicht immer ohne weiteres als solche erkennbar ist. Er forderte die Einführung von Ironiezeichen (heute wären das die Emoticons), um sie kenntlich zu machen. Wem das zu platt ist – es funktioniert bestens in der digitalen Kurzunterhaltung über WhatsApp und die anderen Übermittlungsapps. Auch und gerade für Ironie. Ironie ist wie anderen rhetorischen Stilmittel eine Kunst in der Anwendung, also will sie gekonnt eingesetzt und gepflegt werden. Denn wie schreibt ein unbekannter Blogger treffend: Wer zuviel ironiert bekommt einen Sarkasmus.

Contra Ironie im Internet

Ironie ist sowas von out. Im ausgehenden 20. Jahrhundert wurde sie im „Fahrwasser der Spaßgesellschaft zur inflationärsten Kulturtechnik überhaupt, allgegenwärtig im öffentlichen Diskurs, in den Medien, aber auch im privaten Leben. Die ironische Pose schien vielen die adäquate Antwort auf die auseinanderbrechenden kulturellen Wertesysteme.“

Dieses Zitat aus dem eidgenössischen Tagesanzeiger scheint die ideologische Grundlage zu spiegeln, an die sich die Social Media Expert/innen halten, um sich mit Ironieablehnung ihrer nachhaltigen Ernsthaftigkeit zu versichern. In Abgrenzung vom „Verdacht der Beliebigkeit, des Sich-nicht-Festlegens und des permanenten Geblödels.“

Sie halten den normalen Facebook-Mediennutzer weder für fähig Ironie zu erkennen noch sie selbst anzuwenden. „Und so meldet sich der Homo digitalis fröhlich zu Wort und posaunt überall seine Meinungen heraus. Dabei vergisst er oft, dass seine Meinung völlig aus dem Zusammenhang gerissen erscheint und er keineswegs «geteilte Wissensbestände» voraussetzen kann. Die Ironie führt deshalb oft in die Sackgasse.“

Ein Beispiel aus Twitter: Ironie bei Frisuren funktioniert nicht. 

Ironiecontra

 

 

 

 

 

Stimmt!

Feingefühl für sprachlichen Humor oder Witz geht also immer mehr verloren und daher sollte man es erst gar nicht versuchen, das mit der Ironie. Sie kann sogar gefährlich werden, denn ein ernst zu nehmender Gegner von Ironie ist die amerikanische Regierung. Einmal auf twitter oder facebook unreflektierte Keywords aus der militärischen Assoziationskiste verwendet und schon drohen bei der Einreise in die USA schwerwiegende Schwierigkeiten, die jeder Spaßkomponente entbehren.

2 Kommentare zu „Ironie im Internet

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